Norbert Stein – Tenorsaxophon, Komposition
Uwe Oberg – Piano
Jörg Fischer – Schlagzeug
Es sind die Patamelodien!
Kraftvoll und ausdruckstark eröffnen sie einen faszinierenden Fluss freier Welten.
Ein weitgespannter Horizont aktueller Patamusik in hervoragender musikalischer Besetzung.
Ins Offene!
Pata Trio auf CD (Auszug)
Presse
Point of Departure / USA
In der Geschichte der improvisierten und kreativen Musik gibt es einige herausragende Vertreter des Formats Saxophon/Klavier/Schlagzeug: Taylor/Lyons/Murray, das Schlippenbach Trio und natürlich Brötzmann mit Van Hove und Bennink. Mit seinem einzigen Album Planetentochter könnte man auch das Pata Trio des deutschen Tenorsaxophonisten Norbert Stein (Jörg Fischer, Schlagzeug; Uwe Oberg, Klavier) zu den Trios hinzufügen, die sich einer einzigartigen Identität rühmen können. Ein Teil der Befriedigung, die das Hören ihres knapp vierzigminütigen Albums mit sich bringt, liegt darin, dass das Trio niemals in die Klischees oder Rezepte der Standard-Freien Improvisation verfällt. Sowohl „Into the Open” als auch „Life In the Fireplace” beginnen mit Steins kehligem und kraftvollem Tenor, der sich durch Ayler-artige Fragmente und kurze Motive bewegt. Im ersten Stück schreit er und bläst stürmische Böen gegen hämmerndes Klavier und geschäftige Trommeln. Das dauert so lange, bis ein flinkes, leichtes und leiseres Schlagzeugsolo und zarte Klavierfiligranarbeiten in den Vordergrund treten. Im zweiten Stück hält sich das Trio zurück und geht stattdessen in einen ruhigen Mittelteil über. Als Stein einen Schrei ausstößt, während „Fireplace“ sich leise dem Ende zuneigt, wird dieser Schritt zu einer wirkungsvollen Überraschung und nicht zu etwas, das der Zuhörer schon vorhergesehen hat.
Planetentochter hat wenige Momente der Spannung und Entspannung, und die Musik folgt selten einer leicht erkennbaren narrativen Struktur. Jedes Stück bewegt sich geschickt von Abschnitt zu Abschnitt und bietet dem Zuhörer immer etwas Neues. Anstatt jedoch verschiedene Szenen oder Versatzstücke vollständig aufzubauen und dann die ganze Geschichte zu erzählen, bereitet das Trio die Bühne vor, liefert ein paar einladende oder suggestive Zeilen und arbeitet dann daran, eine andere Kulisse zu zaubern. Was als Nächstes kommt, hat möglicherweise nichts mit der unmittelbaren Vergangenheit zu tun oder dient nicht als klarer Übergang zur nächsten Sammlung von Gesten. Es ist keine Ungeduld, keine Angst und keine Manie. Das Trio geht subtil mit Übergängen zwischen Dynamik, Texturen und Stimmungen um, sodass es schwer zu erkennen ist, wo, warum und wie sich die Dinge verändert haben. Sie sind einfach so. Die Vorgehensweise des Trios beruht möglicherweise darauf, dass jedes Mitglied so viel Autonomie wie möglich hat, ohne dass dabei der Zusammenhalt der Gruppe verloren geht. In „Planetentochter“ wirkt die Gegenüberstellung von Steins spröder Subtonphrasierung und Obergs pedalgetränkten polyrhythmischen Noten sowie zwei Händen, die nicht immer übereinstimmen, mit Fischers minimalistischem und farbenbasiertem Schlagzeugspiel so, als würden alle Musiker dasselbe Buch lesen, möglicherweise dasselbe Kapitel, aber selten dieselbe Seite.
In der Mitte von „The Raven Speaks“ kommt das Trio kurz zusammen, um Steins eingängige, sich wiederholende Phrasen zu unterstützen, und driftet dann wieder auseinander; sie finden wieder zueinander und gehen dann getrennte Wege. Der entscheidende Auslöser könnte sein, dass Fischer seinen Snare-Backbeat aus dem Puls herausnimmt. Oder es könnte Obergs Einbeziehung des Zupfens der inneren Saiten sein. Korrelation? Vielleicht. Kausalität? Wahrscheinlich nicht. Es gibt nicht so sehr eine Unterhaltung oder Interaktion, sondern eher drei Individuen, die mit einem halben Ohr darauf achten, was als Nächstes kommen könnte. Die Band ist unberechenbar, ihre Musik schwer fassbar.
Das Fehlen bewährter Improvisationsgriffe zeigt, dass dieses Trio seine eigene Sprache entwickelt hat, in der ihre Musik für Außenstehende ein Rätsel ist, das sie auf ihre eigene Weise genießen und überdenken können. Jedes Anhören bietet eine Reihe neuer möglicher Antworten, aber keine endgültigen Lösungen. Ein einziges Album reicht nicht aus, um das Pata Trio in die gleiche Liga wie Brötzmann, Schlippenbach und Co. zu bringen, aber Planetentochter ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Stein Fischer und Oberg das Fundament haben, um eine verdammt gute Karriere hinzulegen.
Chris Robinson / Point of Departure.org / USA
Im stetig wachsenden Kosmos des europäischen freien Jazz erscheint Norbert Steins Pata Trio wie ein Meteor – kompakt, unberechenbar und durchdrungen von einer skurrilen, fast schon spielerischen Pataphysik. Das Album, das Ende 2024 in Köln aufgenommen wurde, hat eine Spielzeit von knapp 40 Minuten und umfasst sechs Titel – eine straff inszenierte interstellare Reise, angeführt von Steins Tenorsaxophon, zusammen mit dem Pianisten Uwe Oberg und dem Schlagzeuger Jörg Fischer. Die Besetzung ohne Bass wirkt weniger wie eine Einschränkung als vielmehr wie ein offenes Feld, das der Musik erlaubt, abstrakt zu schweben und sich gleichzeitig in Steins komponierten „Patamelodien“ zu verankern – strukturierten, aber schwer fassbaren Gerüsten, die an Alfred Jarrys Pataphysik, die Wissenschaft der imaginären Lösungen, erinnern.
Glenn Astarita / All About Jazz / USA freien
JazzWord / Kanada
Ausschnitt aus der Rezension
… Das deutsche Pata Trio hingegen besteht aus dem erfahrenen Tenorsaxophonisten Norbert Stein, der Pata-Bands unterschiedlicher Größe leitet, dem Pianisten Uwe Oberg, der bereits mit Evan Parker und Joe Fonda aufgenommen hat, und dem Schlagzeuger Jörg Fischer, der unter anderem mit Georg Wolf und Matthias Schubert gespielt hat.
Obwohl „Planetentochter“ sechs Stücke in einem noch kürzeren Zeitraum als „As it were tomorrow“ komprimiert, bietet es den Triomitgliedern dennoch Raum für emotionale und experimentelle Strategien. Gleich zu Beginn von „The Raven Speaks“ wird die stetige Vorwärtsbewegung des Stücks durch Steins dünner werdende Altissimo-Quietschlaute und verschmierte Split-Töne bestimmt, die sich mit dem Druck der klappernden Trommelschläge und der gleitenden Keyboard-Anschläge verbinden und schließlich den Swing dieser mitreißenden Exposition freilegen.
Im deutlichen Gegensatz dazu betont „Into the open“ die scharfen, bissigen Röhrchenklänge, die wuchtigen Klavierschläge und Beckenklänge, bevor es in kreischende Multiphonics und Zungenstöße mündet, die von harten Schlagzeugschlägen und einem dichten Notenkontinuum des Pianisten begleitet werden. Ohne lyrische Ausflüge und das Erzählen von Geschichten im mittleren Lagenbereich zu vernachlässigen, projiziert Stein in „Life in the firefire“ auch ungezügelte Schnauben, Reflux und schließlich kreischende Töne, während er die Tonleiter hinaufsteigt und dabei die passenden Interaktionen nutzt, um seine Klangfarben mit gleitenden Glissandi des Keyboards und Wirbeln des Schlagzeugs zu verbinden. Stein erweitert den Rahmen seiner Improvisationen und scheut sich nicht, harsche Projektionen oder dünne Töne hinzuzufügen, um das Programm voranzutreiben.
Diese Freiheit, eine Exposition in die Dissonanz zu führen und sie dann ohne Bruch wieder in die Harmonie zurückzuführen, ist eine Fähigkeit, die mit Erfahrung kommt. Nach dem, was man hier hört, hat jedes Mitglied des Pata Trios diesen Punkt erreicht.
Ken Waxman, JazzWord.com / Kanada
Jazzthetik / Deutschland
… Das Pata Trio kommt mit einem Bläser aus – aber was für einem!
Norbert Stein, der Pata-Meister, ist auch ein Intonations-Meister am Tenorsaxofon. Seine kreatürlichen, berührenden Flatter- und Knurrtöne lassen nur Vergleiche mit den Größten seines Instruments zu, einem Archie Shepp, Pharao Sanders, Gato Barbieri oder David Murray.
Sechs markante Melodien bilden das neue Trio-Album Planetentochter – Melodien, die Bewegungsräume skizzieren und erschaffen für die Solisten. Neben Norbert Stein sind das Uwe Oberg (p) und Jörg Fischer (dr), zwei ebenfalls kraftvolle und unerschrockene Improvisatoren. Alle Stücke bleiben aber rhythmisch ungebunden, im weitesten Sinne: Free Jazz. Jedes jedoch hat sein eigenes Klang- und Kinetik-Konzept fast asiatisch-meditativ das Titelstück, hackend und meckernd dagegen „The Raven Speaks“, dramaturgische Bögen beschreibend die Free-Balladen „Recall“ und „The Speech“.
„Illusionsfrei“ hat man Stein´s Musik genannt. Auch: umweg-, schnörkel-, gnadenlos.
Jazzthing / Deutschland
Norbert Stein ist womöglich einer der konsequentesten Jazzmusiker des Landes. Denn der Saxofonist und Komponist aus Köln lässt sich überhaupt nicht von Moden beeindrucken, sondern ordnet seit mehr als vier Jahrzehnten seine Kunst einer Idee des kontrolliert Absurden unter, Pata genannt, mit Augenzwinkern zu Alfred Jarry. Das Album „Planetentocher“ seines Trios klingt dabei fröhlich frei, auf unakademische Weise ungezwungen. Stein, der Pianist Uwe Oberg und der Schlagzeuger Jörg Fischer spielen mit den Strukturen, lassen ihre Ausbrüche mal ineinanderlaufen, mal aufeinanderprallen. Man ahnt die Ahnen der Avantgarde, wird Klängen ausgeliefert und wieder von Motiven eingeholt. »Planetentochter“ ist damit Nummer 27 von Steins Pata-Exkursen in die Expressivität. Und er wirkt, als sei er noch lange nicht am Ende angekommen.
Frankfurter Rundschau / Deutschland
Neues Album „Die Planetentochter“ des Pata Trios – Der Rabe Nevermore und seine Stimmen
Die komplette Geschichte: Norbert Stein und sein Pata Trio mit dem Album „Die Planetentochter“.
Das Universum ist eine raue Sache, schrieb seinerzeit Douglas Adams in „Per Anhalter durch die Galaxis“. Die „Planetentochter“ scheint diese Auffassung zu teilen. Planetentochter? Ist das aktuelle Album des Pata Trios, einer Formation, die Norbert Stein gegründet hat und leitet.
Norbert Stein gehörte einst zu den Mitbegründern der Kölner Saxofon Mafia und macht seit nun fast schon Menschengedenken sein eigenes musikalisches Ding, für das er sich das Präfix „Pata“ bei Alfred Jarry ausgeliehen hat. Norbert Steins Musik ist Patamusik, und das aktuelle Pata Trio besteht aus ihm am Tenorsaxofon und den beiden im Rhein-Main-Gebiet ansässigen Musikern Jörg Fischer, Schlagwerk, und Uwe Oberg, Klavier.
Norbert Steins Musik lässt sich seit je mindestens zwei verschiedenen Typen-Strängen zuordnen. Da ist einmal der eher orchestral strukturierte Musik-Typus mit einer transparenten, melodiös akzentuierten Klanglichkeit ohne Messingstrahlen, dafür mit subtilen und differenzierten Holzblasinstrumenten, ohne rasantes Beckengeklingele, dafür mit tiefenscharfer, feinsinniger Rhythmik, lang schwingender Beweglichkeit und ausgehörter, durchkomponierter Textur. Dieser Strang zeigt ihn als sorgfältig und gedankenreich arbeitenden Komponisten einer freigeistigen Musik, die ihre Wurzeln im zeitgenössischen Jazz und ihre Krone weit oben in wenig bekannten Regionen hat.
Der andere Strang ist knapp, karg, präzise wie eine Theateraufführung, bei der ein Stuhl und eine nackte Glühbirne das Bühnenbild sind. Da sitzt jemand, diesmal sind es drei, niemand verbirgt etwas oder gar sich selbst hinter irgend etwas oder irgendwem. Es geht umweglos zur Sache, und so entsteht eine komplette Geschichte. Steins Artikulationen am Tenorsaxofon sind mit allen Wassern der Gegenwart und der Avantgarde gewaschen, alles klingt genau, nachdrücklich und abgrundtief differenziert, und es braucht keine klangliche Ergänzung durch irgend ein anders Melodieinstrument. Jörg Fischer und Uwe Oberg, die auch schon bei Norbert Steins letztem Album, das Wassily Kandinski gewidmet war, mitgewirkt haben, spielen virtuos und differenziert das schnörkel- und gnadenlose Ausdrucksspiel mit.
Dabei geht es durchaus nicht nur schnell und laut zu. Schnell und laut, das wäre nicht genug, um eine komplette Geschichte zu erzählen. Das titelgebende Stück ist damit beschäftigt, luftige Fixpunkte in einem intensiv bewegten Himmel zu finden. Das zweite, „The Raven Speaks“, kann man einerseits durchaus wörtlich nehmen, wenn das Tenorsaxofon die Klangfarben und die Rhetorik eines Raben nachempfinden lässt; andererseits kann, wer will, auch an Edgar Allen Poes „The Raven“ und sein unerbittliches, weit reichendes „Nevermore“ denken. „Into The Open“ könnte als literarische Reminiszenz auf Hölderlin weisen und zugleich demonstrieren, wie schwer und anspruchsvoll es ist, sich im Offenen einzurichten, das übrigens auch kein Idyll ist.
Sie weiß es auch nicht
Trotz der sparsamen Besetzung und der Ausdrucksfreiheit der drei Improvisatoren steckt doch auch ein intensiv erlebbares Programm in und hinter dieser Musik. Man sollte nicht unbedingt erwarten, dass das „Life In The Fireplace“ pure Feierabend- und Lagerfeuer-Behaglichkeit verspricht, eher eine illusionsfreie Nachdenklichkeit, die nicht auf der Stelle tritt. Das Schluss-Stück, „The Speech“, ist keine wissende Ansprache, sondern eine Sequenz von heiseren, zögernd kopfschüttelnden und von leiser Ratlosigkeit unterfütterten Fragen.
Die Planetentochter weiß vielleicht auch nicht, wohin das alles führen soll.
Hans-Jürgen Linke / Frankfurter Rundschau
JazzZeitung / Deutschland
Norbert Stein ist mit dem Pata Trio auf der Spur der „Planetentochter“.
Tastend, fast zerbrechlich beginnt das Tenor sich einen Weg zur imaginären „Planetentochter“ zu bahnen, einem mythologischen Wesen, schön und versponnen. Genauso will es vom Pata-Trio des Saxofonisten und Komponisten Norbert Stein wahrgenommen und mit poetischem Eigensinn erspürt werden. Umgarnt von Beckengeraschel (Jörg Fischer) und flüchtig mäandernden Klaviersprüngen (Uwe Oberg) zieht es schließlich, begleitet von einem warmen Basston, fein flackernd seine Bahn im Universum des Pata-Masters.
Vom Trio bis zum Orchester
Seit Jahrzehnten erforscht und erweitert der Kölner mit unterschiedlichsten Besetzungen vom Trio bis zur orchestralen Formation ein Universum aus freier Improvisation, Komposition und Lust am Schönen. Es sind die Klänge und ihre kommunikativen Beziehungen, die er nicht müde wird zu ergründen. Die „Planetentochter“, mit einem skurrilen, in Urzeiten einmal futuristischen Fluggerät auf dem Cover, nimmt die Nummer 27 in dieser Albumdiskothek ein und damit schon die dritte Zehnerstaffel ins Visier.
The Raven Speaks
Mit sechs Titeln und knapp vierzig Minuten ist es ein eher kurzes Album, nach dem üppigen letzten, mit zwölfköpfiger Besetzung eingespielten „Pata Kandinsky“. „The Raven Speaks“ ist ein Paradestück für die einerseits melodisch eigensinnige, sehr bildhaft wirkende musikalische Gewichtung Stein`scher Kompositionen und einem immer rauher und borstiger werdenden Geraufe. Das Sax sitzt einem fast im Nacken, während Schlagzeug und Klavier herumlaufen und aus sicherer Entfernung mitkeckern. Überblas-Gequietsche und harte Pianostöße befördern Hörende „Into the Open“, ins Freie, Offene, wo sie nach einem wilden Tanz am Lagerfeuer Platz nehmen, Erinnerungen austauschen und sich kleine Geschichten erzählen.
Recall
Mit dem feinen, dunklen „Recall“, dem innig-schönen balladesken „Life in the Fireplace“ und dem beredten „The Speech“ bereichert das an sich schon vielfältige Pata-Universum um weitere Facetten und Fragen. Die ergeben sich für Musiker wie für Zuhörende aus der Beschäftigung mit dem Gehörten, das selten einlädt zum Kuscheln, aber dafür umso häufiger und intensiver zum genau Zuhören, Überlegen, Nachdenken und Mit(einander)reden.
Michael Scheiner / JazzZeitung
„Die Tochter des Planeten ist herabgestiegen. Nicht durch die Schwerkraft, sondern durch die Struktur.“
NORBERT STEIN / PATA TRIO – das neue Album des deutschen Tenorsaxophonisten.
Bad Alchemy Magazin / Deutschland
Dieses Trio ist ein namhaftes Viertel des 12-köpfigen Orchesters, das die „Pata Kandinsky“-Suite eingespielt hat: Jörg Fischer an Drums, Uwe Oberg am Piano, Stein selber an Tenorsax und natürlich als kompositorischer Tonangeber. Oberg und Fischer sind dabei einander gut vertraut im Spiel mit Georg Wolf und in Obergs Quartett.
Mit der Einladung „Ins Offene!“ (1801) – ‚Into the Open‘ – klingt Hölderlin an, doch dessen „eng schließet der Himmel uns ein“ steht ein Steampunk-Luftschiff à la Henri Giffard entgegen. Und wer wollte in einmal mehr ‚bleierner Zeit‘ nicht in die Luft gehen? Wenn ‚Planetentochter‘ eine elysische Schwester von Schillers Freude (1785) wäre und ‚The Raven speaks‘ durch Keith Jarrett hindurch Poes Raben (1845) evoziert, wäre Steins Luftraum aufgerissen von revolutionärem Enthusiasmus und Optimismus, doch am anderen Ende nihilistisch gesäumt von Restauration und Desillusion.
Mit ‚Recall‘ steht allerdings auch gleich die Nachbesserung und nächste Runde auf dem Programm. Statt hinterm Ofen zu sitzen (‚Life in the Fireplace‘) braucht es einmal mehr mitreißende Wortführer (‚The Speech‘). Wie Marxens „Ein Gespenst geht um“, nur drei Jahre nach Poes ‚Nevermore‘? Ein neues „blood, toil, tears and sweat“, ein nochmal mitreißendes „I Have a Dream“? Deleuze nannte, was die ‚Pataphysik bewusst anstrebt, „die große Kehre“. Von idiotischen und idiotisch brutalen Lösungen zu „imaginären Lösungen“. Schwebende, spielerische, durchaus mit Feuerzunge und rauer, insistenter Melodik, der am Fireplace der Kittel brennt. Dazu das Piano als Maxwells Silberhammer, als Wolkenträumer, und Fischer als Mordskerl, der jedoch funkelfeine Körner streut und Tüpfelmuster dreht.
Statt volkstribunhaft, prophetisch oder von oben herab zu predigen, beziehen die drei einen mit ein in ihre poetische Alternative.
Rigo Dittmann / Bad Alchemy Magazin