GRAFFITI SUITE
Norbert Stein Pata Music
played by NDR Bigband


grafische NotationWas von Norbert Stein in Auszügen schon in vielen internationalen Begegnungen, unter anderem mit Musikern in Brasilien und einem Gamelanorchester in Indonesien, erfolgreich angewandt wurde, präsentiert sich hier in reiner Form: Die grafische Pata-Komposition für improvisierendes Orchester.

Hier entsteht Musik mittels einer Kompositionstechnik, die während langjähriger Erfahrungen mit improvisierenden Ensembles von Norbert Stein entwickelt wurde: kunstvolle grafische Zeichen generieren orchestrale Ereignisse und steuern komplexe musikalischen Abläufe.

Graffiti SuiteCD 1:

Die GRAFFITI SUITE beginnt mit den kraftvollen Klangskulpturen von Franz Patäng, die uns den Weg in vielfältige und spannenden Musikräume eröffnen. Über außergewöhnliche Stationen werden wir zu einem pulsierendem Jazzfluss geführt und in einem Klanggewitter aus mächtigen Akkordhageln schließt sich der Bogen des ersten Satzes der fünfteiligen Suite. 

Aus dunklem Klangmorast erwächst in U.B.U. eine fast gesprochen wirkende Melodiebewegung; hier zeigt sich in seiner schillernde Harmonik das kollektive Satzbewußtsein des erfahrenen Ensembles. Gegen Ende des Flusses von zeitgenössischem Jazz verdichten sich Kollektivimprovisationen zu einer Folge von Klangmassen, die immer wieder den Blick auf Oasen von Musik temporärer kleiner  Ensembles freigeben.

Musik in 7 Häusern führt uns eine Bilderfolge zu Gehör, die zu Meditation über Zeit, Individualität und die selbstverständliche Gleichzeitigkeit europäischer und außereuropäischer Ästhetiken einlädt.

 grafische NotationCD2:

Geben wir uns in Der Vogelschwarm dem langsamen und klanggewaltigen Aufstieg von Der Berg hin, - erleben wir die ins Hörbare transformierte Flugbewegung eines Schwarms in Der Vogelflug - und genießen wir den entspannten Groove von Maschinenmenschen der sich an das spieluhrenhafte Thema anschließt.

Mit der NDR BIGBAND wurde GRAFFITI SUITE von einem Ensemble eingespielt, das sich in bemerkenswerter Weise dem Abenteuer zeitgenössischer Bigband-Musik verschrieben hat. Im fünften und letzten Satz Hotspots, Tai Chi & More führt der Komponist Norbert Stein die Bigband auch aus dem Bereich der Instrumentalmusik in die Transformation von Musik zu gesprochener Sprache; und menschliche Stimmen bilden im Chor von Fegefeuer der Vokale die vokale Grundtextur für instrumentale solistische Entfaltung.

grafische NotationDas vorliegende Album verbindet auf erfrischende Weise die Präzision und künstlerische Ausdruckskraft der NDR BIGBAND mit der phantasievollen und grenzüberschreitenden Orchesterkomposition von NORBERT STEIN.

 

NDR BIGBAND

NDR Bigband

Die Besetzung der NDR Bigband für GRAFFITI SUITE:

Thorsten Benkenstein,Trompete - Ingolf Burkhardt, Trompete - Claus Stötter, Trompete - Michael Leuschner, Trompete - Philipp Kacza, Trompete - Fiete Felsch, Altsaxophon, Klarinette, Holzflöte - Peter Bolte, Altsaxophon, Klarinette, Flöte - Christoph Lauer, Tenorsaxophon, Flöte - Lutz Büchner, Tenorsaxophon, Klarinette, Flöte - Frank Delle, Baritonsaxophon, Bassklarinette, Flöte - Markus Steinhauser, Tenorsaxophon - Gabriel Coburger, Tenorsaxophon - Dan Gottshall, Posaune - Sebastian Hoffmann, Posaune - Stefan Lottermann, Posaune - Ingo Lahme, Bassposaune, Tuba - Christophe Schweizer, Posaune - Stephan Diez, Gitarre - Lucas Lindholm, Kontrabass - Vladyslav Sendecki, Piano - Marcio Doctor, Perkussion - Mark Nauseef, Schlagzeug - Norbert Stein, Komposition und Dirigat

PRESSESTIMMEN:
Exquisite Grafik

Mit grafischer Notation arbeitet der Saxofonist Norbert Stein - hier ausschließlich als Komponist tätig - in seiner "Graffiti Suite". Was die 18 Musiker der NDR Bigband unter der Leitung des Komponisten den für den Laien recht rätselhaften Symbolen abgewinnen, die auf der CD-Hülle verstreut zu finden sind, ist jedoch so begeisternd, dass man schnell vergisst, auf welchem Weg die Musik zustande gekommen ist: Da münden freie Passagen in swingend zupackende, da wechseln die Texturen mit einer Selbstverständlichkeit als sei alles exakt ausnotiert.

Stephan Richter / Fono Forum / Stereo

Bigbands / Kosmische Begegnungen

... Norbert Stein aber hat mit der Bigband des NDR etwas gewagt, was noch weiter abseits aller ausgetretenen Pfade liegt als das Mahavishnu-Projekt. Er hat den Musikern eine - für seine Pata-Musik-Praxis nicht unübliche - Reihe von Kompositionen auf die Pulte gelegt, die eher zeitliche, klangliche und atmosphärische Strukturen und Verabredungen oder Anlässe zum Aufeinander-Hören sind als ausgeschriebene Stücke. Grafische Notationsbeispiele im Booklet zeigen eine Zeichenwelt, die Bewegungen skizziert und somit der musikalischen Interpretation bedarf. So bietet die CD einen mehrfachen Reiz: die Begegnung mit Norbert Steins anregendem musikalischen Kosmos und mit Musikern, die aus einer anderen Welt heraus, aber mit einem unmittelbaren Verständnis und einer intensiven Perfektion diesen Kosmos zu ihrem eigenen machen.

Hans Jürgen Linke / Frankfurter Rundschau

Jazzthetik

In Anlehnung an den vom französischen Surrealismus-Vorläufer Alfred Jarry geprägten Begriff der "Pataphysik" (1898) als einer Wissenschaft der irrealen Logik nennt der Bläser und Komponist Norbert Stein seine Musik "Pata". Die spielt er in unterschiedlichsten Konstellationen: als Pata Trio, Pata Horns, Pata Masters und Pata Orchester. In diesen kreativen Verbindungen treffen die unterschiedlichsten Idiome aufeinander, um auch mit viel Improvisation etwas Neues zu schaffen, dabei sich oft wild und humorvoll ausdrückend. So verband Stein z.B. bei Pata Bahia seine Musik mit brasilianischen Klängen oder transformierte auf Pata Maroc nordafrikanische Soundscapes in den Jazz-Kosmos. Immer darauf achtend, diese scheinbaren Gegensätze nicht schlicht zu fusionieren, kreierte er aus den Kommunikationen vielmehr lustvolles, frisches Erlebnis.

Dagegen liefert nun Graffiti Suite so etwas wie reine Pata Music, gespielt von der Bigband des Norddeutschen Rundfunks, die -nach einem von Stein entwickelten System - über fünf Hauptthemen improvisiert: "Franz Patäng" ist eine kraftvolle Klangskulptur, die den Blick auf vielfältigste musikalische Räume lenkt; das erst verhaltene "U.B.U." wächst gemächlich zu einer kollektiven Orgie an, die immer wieder von erholsamen Verschnaufpausen akzentuiert wird; "Musik in 7 Häusern" bietet pure Meditation mit Blick auf Asien und Europa; in drei Abteilungen gleitet "Der Vogelschwarm" von stürmisch tobender Elektrogitarre getrieben über ein Meer aus menschlichen Chorstimmen, um sich dann mit der gesamten Bigband zu einem aufgeregten Gezwitscher zu vereinen; bei "Hot Spots, Tai Chi & More", dem letzten und vielleicht am leichtesten zugänglichen Satz der Graffiti Suite, hört man schließlich das Jazzorchester mit Sprache improvisieren und freies Spiel mit modalem Jazz vereinen. Musik, die lustvoll dem Abenteuer und Experiment frönt, dabei aber enorm spannungsgeladen, erfrischend pulsiert.

Olaf Maikopf / Jazzthetik

sonic

Der Freigeist und Saxophonist Norbert Stein komponierte für die NDR Big Band in gleicher Weise, wie er schon für brasilianische Musiker und ein Gamelan-Orchester in Indonesien komponierte. In den fünf Sätzen der "Graffiti Suite" gibt Stein einzelnen Instrumentalisten Stimmungen vor, innerhalb derer sie sich dann solistisch frei bewegen können. Was bei der Besetzung der NDR Big Band geradezu ein Ohrenschmaus ist. Schließlich ist die Big Band nach dem Vorbild des Duke Ellington Orchesters vor allem ein Jazzsolistenensemble. Stein generiert orchestrale Ereignisse durch kunstvolle grafische Zeichen und steuert so musikalische Abläufe. Wirklich bis ins Detail durcharrangiert sind die wenigsten Passagen seiner Stücke, sodass viel Spielraum für Spontaneität und wahre Interaktivität bleibt. Diese spezielle Schaffenskraft der Musiker kitzelt Stein als Dirigent dann so richtig hervor. Er nutzt die Experimentierfreudigkeit der NDR Big Band um seine Vorstellungen von einem improvisierenden Orchester kraftvoll, dynamisch und ausdrucksstark zur Geltung zu bringen. Dabei gewinnt er Perspektiven, die er gleichzeitig dem Hörer aufzeigt. Stein führt die NDR Big Band in einen kollektiven musikalischen Aufbruch.

Franz X. A. Zipperer / sonic

aus: Lichtung

Als kleine Feierabendmusik für nebenbei waren Steins Pata Musiken noch nie geeignet, auf den ersten Eindruck aber meist zugänglicher als das auf zwei Alben festgehaltene Orchesterwerk. Hier prallen auf sehr ersprießliche Weise ein außerordentlich präziser und charaktervoller Klangkörper, solistische Cracks und ein neugieriger Komponist aufeinander, der sich nie damit begnügt hat, Bekanntes in veränderter Form wiederzukauen. Von dichten Klangknäueln, reduzierten Klangpartikeln über kantige Formen bis hin zu unterschiedlichen Klangräumen markieren die fünf größeren improvisierten Sätze eine schon fast verwirrende Vielfalt von Ideen und Eindrücken. Höllisch spannend und manchmal anstrengend.

Michael Scheiner / Lichtung

aus: "Bigbands" / Jazzpodium

Norbert Stein hat sich für seine neueste CD mit der NDR Bigband zusammengetan. Seine "Graffiti Suite" beginnt als eine gänzlich andere Big-Band-Musik - keine klar konturierten Einsätze, stattdessen flirrende Klangflächen. Diese Musik nun lebt vor allem von den exzellenten Soli einer Band, die sich im Freien genauso wohlfühlt wie im Satzspiel. Die Orchesterpartien wirken in ihrer scheinbaren Unpräzision manchmal geradezu improvisiert. Man fragt sich bisweilen, warum Stein eine Bigband braucht, wenn er sie nicht nutzt, wenn das Spannendste dabei denn doch die einzelnen Musiker, das große Musikerreservoir ist. Aber dann kommen wieder groß besetzte (von orchestral mag man nicht wirklich sprechen) Klangmomente, die sein Konzept erklären. Steins rhythmische Ideen halten die verschiedenen Sätze zusammen, und natürlich ist genug spannende Musik vorhanden, um dramaturgische Bögen zu garantieren.

Wolfram Knauer / Jazzpodium

aus: Tanz und Musik

Mit seinen diversen Pata-Formationen, die vom Trio bis zu großen Besetzungen reichen, hat sich Saxofonist und Komponist Norbert Stein einen Namen gemacht. Immer wieder hat er es verstanden, in kreativen Verbindungen, kraft- und humorvoll, oft auch hintersinnig, Neues zu schaffen. Arbeitete Stein zuletzt mit Musikern aus Brasilien und einem indonesischen Gamelanorchester zusammen, so ist jetzt wieder ein improvisierendes Orchester angesagt. Die NDR Bigband setzt Steins grafische Kompositionen schlüssig um. Präzision und künstlerische Ausdruckskraft verbinden sich mit Steins grenzüberschreitenden Ideen. Seine neue „Graffiti Suite“ wird nach einem bestimmten System über fünf Hauptthemen erspielt, die sich schließlich zur Suite verdichten. Kraftvolle Klangskulpturen, in Kollektiv-Improvisationen gestaltet, geben immer wieder den Blick frei auf kleinere Ensembles. Das Doppel-Album ist so vielschichtig, dass es kaum in Worte zu fassen ist. Stimmen bilden abschließend die vokale Grundtextur für instrumentale solistische Entfaltung.

Reiner Kobe / Tanz und Musik freiburg.de

aus: Neue Zeitschrift für Musik

Vorausgesetzt, pataphysische Fähigkeiten, das heißt wissenschaftlich fundierte imaginär Lösungen zu finden, wäre eine Basis für nicht gesetzmäßige, ungewöhnliche Klangerzeugung, wäre dann nicht jeder Akkord außerhalb gängiger Tonsysteme mit Alfred Jarry´s "´Pataphysik" (das vorangestellte Apostroph deutet auf die Wissenschaft des Speziellen) zu erklären? Müsste dann nicht jeder Komponist derartiger Soundproduktionen vor Hörbarmachung sein Werk in der Sprechstunde des Dr. Faustroll absegnen lassen? Noch eins draufgesetzt: Wäre dann nicht Ubu Roi, der fratzenhafte Tyrann aus Jarrys gleichnamigem absurden, burlesken Theaterstück der Schöpfer einer jedweden Komposition außerhalb normativer Aufführung?

Der Kölner Saxophonist und Komponist Norbert Stein stellt sich diesen pataphysischen Fragen schon seit geraumer Zeit. Neuerdings sucht er die Antworten in einer fünfteiligen Suite, die er - nach vielen Werken für kleinere Besetzungen - nun für Bigband arrangiert hat. Stein wagte sich an das Abenteuer grafisch notierter Musik, die er der hochkarätigen, vielseitigen NDR Bigband (Projekte mit Musik von u.a. Frank Zappa, Jimi Hendrix, Kurt Weill und allerlei Jazzgrößen) gleichsam in die Notenständer zeichnete. Was zunächst wie eine Gratwanderung klingt entpuppt sich am Ende als eine zwar halsbrecherische, aber äußerst trittfeste Berg- und Talfahrt durch verschiedene Stile des Jazz, der neuen Musik und der World Music.

Die Berge türmte Stein als schematische Dreiecke, die Täler vertiefte er als deren entgegengesetzt eingerammte Spitzen. Penetrant diffus ruckelt und rockelt U.B.U. durch eine lakonisch gestrichelte Landschaft, wo manchmal gefährliche Sirenen lauern und unvernünftige Kobolde kleine Stolperfallen auf Posaunengipfeln einrichten. Hier zeigt sich der pataphysikalische Einfluß des Alfred Jarry, der nicht nur Norbert Steins Projektname verziert, sondern auch in der überhöht-diffusen Physik seine Akzente versprüht. Die Flatterzunge sitzt locker, und in Hot Spots, Tai Chi & More murmelt sich ein Originalstimmengewirr als unrealistischer Wirklichkeitshintergrund durch globale Positionen. Das vierteilige Geräuschorchesterstück Franz Patäng ist als Prototyp der musique grotesque absichtlich an den Anfang der auf zwei CDs verteilten Suite gesetzt. Graffiti Suite offenbart in kompromissloser Weise seine Synonymfähigkeit für den physikalischen Untergrund heutiger Musiksprache. "Die Pataphysik ist die höchste Versuchung des Geistes", kommentierte Jean Baudrillard die Schrift Alfred Jarrys. Nachwissenschaftlich betrachtet scheint Norbert Steins Suite die höchste Versuchung des musikalischen Experiments zu sein

Klaus Hübner

Die digitale Jazzzeitung / Jazzinstitut Schleswig-Holstein & Kurt Edelhagen Archiv

Die NDR Bigband zählt in Europa zu den besten Orchestern im Jazz und verkörpert durch seine Spielweise und Kompositionen auf vielen Tourneen einen Klangkörper, der als einmalig bezeichnet werden kann. So ist es natürlich, dass auch die bekanntesten Komponisten, wie z.B. Norbert Stein, mit dem Orchester zusammenarbeiten.
Auf der neusten CD präsentiert sich ein musikalisches Werk mit besonderer Kompositionstechnik. Spannende Musikräume werden in kraftvollen Klangskulpturen zu einem pulsierendem Thema zusammengeführt. Es entstehen Bilder die zu Meditationen einladen, aber nie den zeitgenössischen Jazz verlassen. Europäischer Jazz in außergewöhnlicher entspannter Fassung. Mit gewitterähnlichen Akkordhageln, die den Hörer in erfrischender Weise mit Groove und Melodienfolgen Orchesterkompositionen erleben lässt. Die Doppel-CD präsentiert nicht nur eine BigBand unter Norbert Stein, sondern ein orchestrales Werk in voller Entfaltung. Die Zusammensetzung der BigBand ... zeigt gleichzeitig ein Ensemble, welches nicht nur mit hochkarätigen außergewöhnlichen Musikern besetzt ist, sondern mit künstlerischen Ambitionen zusammengestellt wurde, um dem Jazz einen weiteren Höhepunkt zu ermöglichen.

Joachim Holtz-Edelhagen

aus: BAD ALCHEMY No. 54

Keine Ahnung, warum der Saxophonist, Komponist und Pataphysiker Norbert Stein (*1953) BAD ALCHEMYs Wege nicht schon früher gekreuzt hat. Immerhin war er Gründungsmitglied der Kölner Jazzhaus Initiative und Ende der 70er und in den 80ern mit der Headband, NoNett und der Kölner Saxophon Mafia umtriebig und gründete 1986, mit bewusstem Bezug auf Alfred Jarrys Dr. Faustroll, sein eigenes Label PATA MUSIC, ist also ein genuiner Do-It-Yourselfer. Und hoppla, einmal haben wir uns nur knapp verfehlt. Stein hat nämlich eine Connection zu amf-music (-> BA 12), spielte Anfang der 90er mit People in Sorrow und Viola Kramer umgekehrt im PATA Orchester, während Reinhold Knieps bei PATA Blue Chip auftauchte.

Im Lauf der Jahre hat Stein seine musikalischen Visionen mit einem PATA Orchester oder den PATA Masters umgesetzt. Hier aber ist die NDR Bigband, von Stein dirigiert, im Einsatz, um 5 seiner grafischen Pata-Kompositionen für improvisierendes Orchester in Klänge zu verwandeln: Die 5-teilige Suite "Franz Patäng", das kurze Pata-Manifest "U.B.U.", die "Musik in 7 Häusern", die tatsächlich durch 7 Häuser zieht, bevor "Der Vogelschwarm" einen mit auf "The Mountain" hochreißt oder durchs "Fegefeuer der Vokale" schickt, und abschließend noch "Hot spots, Tai Chi & More" folgen. Bigband, d. h. Trompeten 4-fach, Reeds & Flöten 5-fach, Posaunen 3-fach + Bassposaune & Tuba, dazu Gitarre, Kontrabass, Piano, Percussion und Drums (kein Geringerer als Mark Nauseef). BIG. Aber dazu auch ein musikalisches Wollen, das, ähnlich vielleicht wie bei Klaus Königs Klangfresken für Orchester oder Colin Town‘s Mask, dynamischen und klangfarblich breit gefächerten Jazz- und Brassbandausdruck mit Linienführungen der Neuen und Eigenarten von Weltmusik fusioniert. Kollektive und solistische Improvisationen machen die Reise polyglott und binnenbeweglich, wie eine Schiffsreise, bei der die Passagiere gegen die Fahrtrichtung laufen, die Plätze und Gesprächspartner und die Sprache wechseln. Mit dem imaginären Travelogue "Musik in 7 Häusern" schweift Stein über den europäischen Horizont hinaus, wie schon bei seinen Pata-Trips nach Marokko, Bahia und Java. Die Klangbilder werden dabei gleichzeitig transparenter und individueller, exotische Gespinste, fremdartig rhythmisiert, der Orchesterbrandung treten einzelne Stimmen gegenüber, eine Flöte, eine Trompete, eine Posaune. Danach ruft "Der Berg" und die E-Gitarre treibt die Drahtseilbahn bis ganz nach oben, während "Der Vogelflug" auf eigenen Schwingen ans Ziel schwärmt. Dazwischen mutiert die Bigband zum Chor und a-e-i-o-t Vokale, angekurbelt von Drums & Bass, die dann auch allein stehenden Bläserstimmen als rollender Untersatz dienen. Der "Hot spot"-Set liefert dann noch drei Stichwörter, die Steins PATA-Welt charakterisieren helfen. "Global positions" unterstreicht die globale Perspektive, kurios expliziert durch ein rezitiertes „1., 2., 3. Klang, rechts, links, vorne, hinten“. Der anfängliche Spieluhrduktus von "Maschinenmenschen" unterstreicht das Organisierte und gut Geölte eines Klang-"Apparats", der allerdings unerwartet zu einem brabbelnden Haufen zerfällt und zu dumpfen Paukenschlägen nur widerspenstig aufschrillt. Und "Zigzag Aethernitas" (sic!) zeigt als flattriges, löchriges Percussionsolo, dem die Band lange Zeit durch Schweigen zustimmt, bis man sich kollektiv wieder auf eine gemeinsame Vielfalt verständigt, gemäß Steins pataphysischer Überzeugung, dass die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten nicht die erstrebenswerteste ist.

Rigobert Dittmann

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