PATA, HORNS & DRUMS
"Silent Sitting Bulls"


Rezensionen

CD coverEin aufregender Kosmos

Was, wenn alles nur Schein ist? Ausschließlich in unseren Köpfen existiert? Nun, im Hinblick auf die Pataphysik ist das irrelevant, ist eh alles das Gleiche. Ohnehin gilt es, nur die Ohren aufzusperren. Und die sind bei Norbert Stein, dem Saxophonisten, Komponisten und legitimen Erben des pataphysischen Welterfinders Alfred Jarry aus Köln, noch nie enttäuscht worden. Mit seinem neuen Quartett "Pata, Horns & Drums" - Michael Heupel (fl), Nicolao Valiensi (euphonium) und Christoph Haberer (dr, wavedrum) - knüpft er nahtlos an großartige Alben mit den "Pata Masters" und den "Pata Horns" an, spinnt seine Ideen "inszenierter (Klang-)Räume" weiter und landet - bei einem schweigsamen indianischen Freiheitskämpfer. Der hatte gewiss viel zu sagen, aber niemand von der amerikanischen Regierung und Administration wollte ihm zuhören. Da nix einfach geradlinig daherkommt und der Kopf auch Kurven und Abbiegungen kennt, sind auch andere Gedankenverknüpfungen möglich. Die sanft-gefährlich wabernden Stimmen über dunklen Trommeln, die sich zum dramatischen Wirbel (oder Kampf) der Stimmen steigen, können auch - ja, was? - den Stierkampf wild, ekstatisch und traurig besingen? Es ist - wieder - ein aufregender Kosmos, eine Wanderung, die ständig Verblüffendes bereithält. Nix für lau, aber das versteht sich bei Norbert Stein von selbst. Extreme Herausforderung für Ohr und Empfinden und schmeichlerisches Wiegen in der malerisch schönen Hängematte musikalischer Traditionen in einem. Ein echter Stein!

Michael Scheiner, Jazzzeitung

Vor oder nach dem finalen Kampf

Wärme ist eine Qualität des Klangs, nicht der gespielten Noten, und auf dem Album „Silent Sitting Bulls“ von Norbert Steins Quartett Pata Horns & Drums lassen sich die Wärmequellen gut orten: Es sind die vier Musiker selbst, die Intensität und spezifische Farbigkeit ihrer Intonation und Artikulation. Drei Bläser (Stein, Saxofon, Nicolao Valiensi, Euphonium, Michael Heupel, Flöten) und ein Perkussionist (Christoph Haberer) produzieren zusammen eine karibisch-spätsommerlich temperierte, tänzerisch elegante Blasmusik, und wenn diese Musik ein Wein wäre, dann wäre er tiefrot aromatisch und von intensiver Körperlichkeit, nahrhaft, durchaus berauschend, aber nicht süffig, sondern breitschultrig und wissend.

Denn bei aller erklingenden Freundlichkeit kennt diese Musik doch auch ganz andere Farben und Formen, nur bindet sie alles ein in diesen enorm kommunikativen, runden Kontext, in dem alles Schrille, Ruppige bereicherndes Element ist in einer vorübergehend geschlossenen Welt.

Es sind die dieser Musik inhärenten Frei- und Toleranz-Räume, die vielem, was durchaus schrill klingen kann, die Spitze und Schärfe nehmen. Es ist die Kompositionskunst Norbert Steins, die thematische Rahmungen schafft, in denen seine Band vieles tun und durchaus vehement aus sich herausgehen kann, ohne etwas falsch zu machen. Der Titel „Silent Sitting Bulls“ könnte eine Anspielung enthalten, aber ob es in diesem Assoziationsraum um Stiere vor oder nach dem finalen Kampf geht oder auch um Robert Altmans Film über Buffalo Bill, muss man nicht entscheiden: In dieser Musik ist jederzeit genug möglich.

Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau

Imaginäre Musik? Ja, bitte!

Kompliziert wird es erst, wenn die komplexen Strukturen so weit ihrer Dynamik und Raffinesse beraubt sind, dass das Gerüst der Musik offen zutage treten kann. Dieser großen Kunst der musikalischen Feldforschung ist Norbert Stein immer wieder auf den Grund gegangen. Und hat dabei nie den Blick für die umliegenden, angrenzenden, am Rande des Jazz nistenden ethnomusikalischen Wegmarken außer Acht gelassen.

Das scheint auf den ersten Blick für seine neue Produktion Silent Sitting Bulls nicht zuzutreffen. Doch mit dem zweiten sieht man bekanntlich besser, was auch beim Hören von Norbert Steins Patamusic unbedingt erforderlich ist. Entgegen früheren eindeutiger auf exotische Orte und Musiken eingrenzbare Produktion - z.B. das "indonesische" Album Pata Java (2003), das javanische Gamelanmusik mit improvisierter Musik der Pata Masters verknüpft -, dominiert auf dem aktuellen Longplayer die Freiheit der Improvisation. In "This is You" klingen sogar sehr lyrische Momente durch, die durch mehrere Wiederholungen das kleine Bild eines hymnischen Gesangs formen, in der mittleren Passage jedoch zum Thema des Improvisierens nach Vorgabe zurückkehren.

Schon im zweiten Titel "Nondual Action", bricht Norbert Stein den hinteren Sinn, der in der Bezeichnung "Pata Music" versteckt ist, sehr freimütig - und ohne den Musikern die Luft zu nehmen - auf. Konsequent lässt er Michael Heupel, Nicolao Valiensi und Christoph Haberer den Freiraum, in dem sie Bild für Bild am Ganzen arbeiten können. "Pata, Horns & Drums" überrascht - wieder einmal - mit einer außergewöhnlichen Instrumentierung, in der weder ein Piano noch ein Bass zu finden sind. Insbesondere das von Valiensi gespielte Euphonium (ein Mitglied der Bügelhornfamilie und angeblich von einem Konzertmeister namens Sommer und Adolphe Sax erfunden) transponiert einen kammermusikalischen Brass-Band-Sound. Mit dieser "süßen Stimme" (griech.: euphonos) gelingt ihm ein sehr imaginärer Klang, der den pataphysischen Gedanken eines Alfred Jarry ziemlich nahe kommt.

"Paradise Lost" trauert einem verlorenen Paradies hinterher und erinnert in kurzen Passagen an den wehmütigen Sound im The Godfather-Thema von Nino Rota. In seiner minimalistischen Rondo-Konstruktion thematisiert die Grundmelodie in "This is You" die kompositorischen Vorarbeiten von Moondog, dessen legendäre Stücke für Saxofon die Ästhetik des Instrumentes verändert haben. Norbert Stein positioniert seine gestalterischen Regieanweisungen sehr differenziert aus einer Tradition hraus, die in der europäischen zeitgenössischen Musik des vergangenen Jahrhunderts ihrre Spuren hinterlassen hat.

Die Kraft der Imagination in Steins Musik dokumentiert sich auch in seiner Herangehensweise an eine zeitgemäße musikalische Sprache. Denn trotz aller interpretatorischen Freiheit spielt sich der musikalische Kosmos von Pata Music in einem Rahmen ab, den das Quartett nicht überschreitet. Das gilt auch für den Titel "Schleuderhonig", der eigentlich überhöhte Beschleunigung, konfuse Bewegungen und Gegenbewegungen suggeriert. Aber hier geht es wohl mehr um Frage und Antwort, um Position und Gegenposition, um Gestaltung und Chaos, Letzterem in gemäßigtem Tempo. Interessant ist hier vor allem, wie die Musiker die Ideen Steins nachempfinden und seinen Markierungspunkten nachhören, seine Vor-Spiele aufgreifen und in wohldosierten Mengen rekapitulieren. Auf die Dominanz der Imagination folgt ein flüssiges Wechselspiel aus verzahnten Grundstrukturen und freier Improvisation. Was nur scheinbar aus der Realität genommen wurde, ist tatsächlich ein Teil von ihr. Das Absurde, könnte man schlussfolgern, ist das Normale. Wenn sich darin eine imaginäre Musik entwickeln kann, dann kann die Quintessenz nur lauten: Ja, bitte, mehr davon.

Klaus Hübner, Jazzthetik

Heilsamer Jazz, der keine Grenzen kennt

Mit seinen diversen Pata-Formationen, die vom Trio bis zu großen Besetzungen reichen, hat sich Norbert Stein einen Namen gemacht. Immer wieder hat er es verstanden, in kreativen Verbindungen kraft- und humorvoll, oft auch hintersinnig, Neues zu schaffen. Dies tut der Kölner Saxofonist und Komponist erneut mit Pata, Horns & Drums, einem außergewöhnlich besetzten Quartett, das ohne Harmonieinstrumente auskommt. In die Tiefen dringt das Euphonium, ein im Jazz nicht gerade üblichen Horn. Ansonsten dominieren die Bläser, allen voran Stein selbst, der sein Tenorsax in allen Farben funkeln lässt. Seine acht Kompositionen künden von Freiheitskämpfen, Mönchen und Tieren vor der Corrida ("Silent Sitting Bulls") und führen zur Frage nach der Realität und ihrem Beobachter ("Quantum Mechanics"). Die von der Physik inspirierten Geschichten werden luftig und leichtfüßig erzählt. Rührselige, mitunter triefende Melodien werden ausgeschlachtet und auf ihren bittersüßen Kern zurückgeführt. Die drei Bläser machen mit dem Schlagzeuger gemeinsame Sache und öffnen neue Räume. Das ist heilsamer Jazz, der keine Grenzen kennt. Er vereinnahmt den Hörer, ohne ihn zu gängeln.

Reiner Kobe, Jazz´n´More

Lichtgestalten und Freigänger

… Das Konzept des Komponisten, Arrangeurs, Bandleaders und Saxofonisten Norbert Stein trägt den Namen "Patamusik", abgeleitet von Alfred Jarrys "Pataphysik", einer Vorstellung von irrealer Logik, fernab von gängigem Kausalitätsdenken. Das neueste Werk von Stein schultert das Pata-Quartett Die Musik folgt generell der Linie der Pata-Einspielungen: Traditionspflege im Bewusstsein der Moderne, Kreuzung von zarten Dissonanzen im freien Zusammenspiel, ab und an ein gewaltiger Brückenschlag zwischen Duke Ellington und Charles Ives. Die Titel sind so tiefgründig wie die Musik, heißen "Silent Sitting Bulls", "Nondual Action", "Miao & Chiao" oder "Hapana Lakini", zeigen persönliche Klangfarben und ausgeprägte Individualität. Überraschende Momente sind generell ein wesentliches Merkmal von Steins Tonkunst. So auch hier.

Martin Wolterdorf, Kölner Stadtanzeiger

Ein individuelles Statement von großer Kraft

Man hört die Luft aus den Blasinstrumenten strömen und die Klappen von Norbert Steins Tenorsaxophon klappern. Dann mischt sich das tiefe, brummelige Euphonium ein und die Lüfte steigern sich zu einem heißen Wüstenwind. So beginnt "Silent Sitting Bulls" von Pata, Horns & Drums, dem allerneuesten Ensemble aus Steins Universum, das sich auf die schräge Philosophie des Theater-Autors Alfred Jarry bezieht. Flötist Michael Heupel, und Euphoniumspieler Nicolao Valienci sind die "Horns" neben Stein, Christoph Haberer spielt die "Drums". Die klanglich weit voneinander entfernten Bläser gehen eine faszinierende Melange ein, die von keinem Saiteninstrument "gestört" wird. Zwischen archaischem Getrommel, leckeren Grooves und mildem Swing bringt Haberer die wilde Mischung auf Touren. Hinzu kommen die kantigen Kompositionen des Bandleaders, die zwischen zirzensischen Fanfaren, afrikanischer Verspieltheit und Anklängen an Weltmusik- und Jazz-Traditionen viel Raum für die freie Entfaltung der Mitwirkenden lassen. Ein individuelles Statement von großer Kraft.

Rolf Thomas, Jazzthing

Eine vielschichtige und vor allem unterhaltsame Melange aus Avantgarde und Tradition

Das Saxophon schreit schrill, das Euphonium grummelt in den Tiefen, die Flöte sirrt und flirrt, das Schlagzeug füllt den musikalischen Raum der drei Bläser, die umeinander spielen und parlieren mit einem treibenden Pulse. Der Komponist und Musiker Norbert Stein folgt auch mit seinem neuen Quartett "Pata Horns & Drums" der surrealen und irrealen Logik des Dada-Philosophen Alfred Jarry im weiten Feld der paranormalen Pataphysik.

Die Mehrstimmigkeit der in den Klangfarben kontrastierenden Instrumente Tenorsaxophon, Flöte und Euphonium mündet hin und wieder in kreisenden Unisonopassagen, die treibenden wilden Klänge einer "Nondual Action" in sanfte, Passagen zur Eröffnung von "Paradise Lost", bevor dieser scheinbare Wohlklang zerfasert und wieder zusammengeführt wird oder in ein tänzerisches Solo des Euphoniums mündet. In "Schleuderhonig" assoziiert die Flöte das Summen von Bienen. Ob nun freitonal oder in klassischer Harmonie, archaisch oder kunstvoll, immer ist die Musik berstend lustvoll und erfüllt von abgründigem Humor.
Der Komponist spielt mit Klangfarben, die die Musiker ausweiten und auskosten. Gleiches gilt für die vielfältigen Metren, mit denen erfrischende Abwechslung geschaffen wird, wenn die Interaktionen mal in die Gefahr der Routine geraten. Verspieltheit kennzeichnet ein Duo des Percussionisten und Flötisten in "This is you", verdeckter Swing Teile von "Quantum Mechanics", umspielendes Geschnatter und traditionelle Ästhetik sowie ein faszinierendes Trommelsolo Passagen von "Miao & Chiao".

Mit "Silent Sitting Bulls" schaffen Stein und seine „Pata Horns & Drums“ eine vielschichtige und vor allem unterhaltsame Melange aus Avantgarde und Tradition, die mehrfaches Anhören samt Klangforschung erfordert und lohnt.

Klaus Mümpfer, Jazzpages.com

Grenzübergreifende Reise mit Überraschungen

Der Bandleader spielt Tenorsaxofon, dazu kommen Flöten, die Mini-Tuba Euphonium und Schlagzeug. Mit dieser ungewöhnlichen Besetzung entführt Norbert Stein in die Welt seiner Pata-Music, einer individuellen (Klang-)Philosophie. Die vereint Improvisationslust und Free-Reminiszenzen mit sorgsam arrangierten Passagen, magische Melodien und kleine Eruptionen. Die Stücke spannen den Bogen von Jahrmarkt und Street Parade voller Witz zum Club hör-erfahrener Genießer.

Werner Stiefele, stereoplay

PATA, oder was? Neues von Norbert Stein

Der deutsche Saxofonist, Komponist und Musiktheoretiker Norbert Stein ist einer, der sich in ausgetretenen Musikpfaden nicht wohl fühlt. Unter dem Oberbegriff PATA MUSIC arbeitet er seit gut 20 Jahren an einem Werk, das sich eindeutigen Kategorisierungen entzieht. Neuester Streich: die CD "Silent Sitting Bulls" seines Quartetts PATA, HORNS & DRUMS.

Versucht man der rätselhaften Bezeichnung PATA MUSIC auf den Grund zu gehen, stößt man sehr schnell auf den französischen Radikalliteraten Alfred Jarry, der im Jahr 1898 den Begriff der "Pataphysik" prägte und so erklärte: " Die Pataphysik ist eine Wissenschaft, die irrealer Logik und einer neuen Wirklichkeit jenseits der Grenzen der äusseren Erscheinungswelt verpflichtet ist, losgelöst vom gewöhnlichen Kausalitätsdenken. Alles ist verwechselbar, verwandelbar, umkehrbar und austauschbar: Dinge, Zeiten, Räume. Aber nichts ist beliebig, nur ist eben jede Einfachheit eine ineinander verwobene und sich durchdringende Vielfalt." Norbert Stein will mit seinen Musikprojekten Hör- und Denkgrenzen niederreißen; er hat für Big Bands und kammermusikalische Ensembles komponiert, hat sich von unterschiedlichen ethnischen Einflüssen von Marokko bis Brasilien inspirieren lassen und hat nun unter dem Namen PATA, HORNS & DRUMS eine Formation mit Schlagzeug, Euphonium, Flöte und Tenorsaxofon ins Leben gerufen.

Für Norbert Stein ist sein neues Quartett nur eine weitere Manifestation seines musikalischen Credos: "Das Ensemble PATA, HORNS & DRUMS bewegt sich mit großer Selbstverständlichkeit und Identität in den Möglichkeiten, die der freie Umgang mit Musiktraditionen und Musiksprachen heute bietet. Jeder der vier Musiker hat in seiner musikalischen Entwicklung ein vielfältiges Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten erfahren und sich selber musikalische Vielsprachigkeit erarbeitet. Zusammen mit den Patakompositionen bilden sie ein kraftvolles Ensemble in außergewöhnlicher Instrumentation."

Stilistisch irgendwo im Grenzbereich zwischen Jazz, World Music und Neuer Musik angesiedelt, verweben die vier Protagonisten von PATA, HORNS & DRUMS ihre Stimmen in ausgeklügelten Riffs, kurzen Kollektivimprovisationen und archaisch anmutenden Melodien. "Silent Sitting Bulls" ist voller überraschender Wendungen, und Stücktitel wie "Nondual Action" oder "This is You" werfen die Frage auf, wie es denn der Komponist mit der Spiritualität hält. Stein dazu: "Wenn man Spiritualität als bewusste Beschäftigung mit Sinn- und Wertfragen des Daseins, der Welt und der Menschen und besonders der eigenen Existenz und seiner Selbstverwirklichung im Leben versteht, dann sehe ich in dieser Definition Berührungspunkte zu Patamusik. Musik ist eine der Künste, die dem Menschen zur Verfügung steht, um Wesentliches, Elementares und Bewegendes zu fassen. Das macht sie für die Kommunikation der Menschen so bedeutend. Sie kann Inhalte transportieren und mehr oder weniger verborgen Antworten auf die Frage nach dem WAS IST spüren lassen. Davon handelt Patamusik."

Martin Schuster, Concerto

Ein erfrischendes Album

Der Tenorsaxofonist und Komponist Norbert Stein schafft es mit seinem neuen Quartett PATA, HORNS & DRUMS die Strömungen zeitgenössischer Musik mit der klassischen Schönheit der Musiktraditionen zu einem farbenprächtigen Bild der Moderne zu verschmelzen. In acht neuen Patakompositionen werden Räume für die Kunst der Improvisation geöffnet, in denen sich die Virtuosität der Musiker entfalten kann: Norbert Stein, Tenorsaxofon, Michael Heupel, Flöten, Nicolao Valiensi, Euphonium und Christoph Haberer, Schlagzeug und Wavedrum. Die vier Musiker schöpfen aus langjähriger Erfahrung in europäischer Musik und Jazz, aus vielfältigen Konzertreisen in alle Kontinente dieser Erde und intensiven Begegnungen mit fremden Musikkulturen; sie bewegen sich mit großer Selbstverständlichkeit und Identität in den Möglichkeiten, die der freie Umgang mit Musiktraditionen und Musiksprachen heute bietet. Die Musik des Albums ist voller überraschender Wendungen, schafft etwas Neues und Erregendes! Wenige choralartige Akkorde genügen, um in „Paradise Lost“ eine archaisch anmutende Welt zu eröffnen, „Nondual Action“ beginnt in funkiger Polyphonie, „Schleuderhonig“ atmet Ruhe und das titelgebende Stück „Silent Sitting Bulls“ hält was es verspricht: Konzentration und Kraft. Ein erfrischendes Album!

sonic

… es schleudert die Imagination

Sagt der Name schon alles? Hapana, lakini ... - für Nicht-Kiswahili-Sprechende: Nein, aber er verrät das Rezept: Schlagzeug, drei Bläser und - wie immer bei Stein - der Geist von Alfred Jarry.
Das neue Quartett entfaltet einen ungewöhnlichen, sehr schönen Klangfächer mit Michael Heupels Flöten und dem Euphonium von Nicolao Valiensi, neben dem gottvoll trommelnden Christoph Haberer (Ex-Drümmele Maa) und dem Leader am Tenorsax. Heupel, eingespielter Partner von Haberer, ansonsten auch Doppelpartner von U. Kropinski oder Xu Fengxia, ist auch schon ein Pata Master. Valiensi, der mit seiner Banda Metafisica die Banda-Tradition nach Köln holte, bläst noch dicke Töne in Projekten von Frank Köllges und Udo Moll und im James Choice Orchestra. Sagt das was über die Musik? Nein, aber es schleudert die Imagination so honigsüß, so melodienselig, dass man seufzend sich des verlorenen Paradieses erinnert. Pataphysik ist ja die Wissenschaft von den imaginären Lösungen.
Doch wo hat Stein nur diesen Melodienreichtum her?
Wie aus afro-deutschen Tiefenschichten singt es: "Tat Tvam Asi" - das bist Du, Homo ludens, der einst Songlines aus Afrika in den Norden trug. Arfi, die patamusikalisch verbandelte Association à la Recherche d'un Folklore Imaginaire, hat diesen Draht anamnetisch offen gehalten. Stein lässt ihn glühen mit Reminiszensen an weltoffene Rhythmen und Tänze auf der Pukwana-Dolphy-Shilkloper-Linie. Wie könnte man bei "Paradise Lost" nicht dahin schmelzen? Aber "This is You" ist gleich noch ohrwurmiger, munter verknattert, flötenbetrillert, euphonisch verschnörkelt. "Miao & Chiao" kommt mit dem Déjà-vu einer Cape-Jazz-Melodie und lausbübischem Gebläse. Ohne Bass oder Klavier klingt das alles luftig und leichtfüßig. Das abschließende "Hapana Lakini" toppt noch einmal ein launiger Euphonium-Flöten-Percussion-Tumult, bis das Tenorsax auf die Zielgerade führt. Erreicht man so das ‚innere Geheimnis‘, das Mysterium (miào), von dem das Daodejing miaut? Nein, aber ‘Pataphysik hält dem ja genau jene „Oberflächlichkeit aus Tiefe“ entgegen, die Nietzsche meinte, als er riet, man müsse „tapfer bei der Oberfläche (chiao), der Falte, Haut stehenbleiben, den Schein anbeten, an Formen, an Töne, an Worte, an den ganzen Olymp des Scheins glauben".

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy

Ein ganz besonderer Weg

Nein, still und einfach in Ruheposition sind sie nicht die Musiker, d.h. die Handelnden bei der neuen Aufnahme von Norbert Steins Pata Ensemble, auch wenn ein erster Blick auf den Titel der CD, zugleich Starttitel der Aufnahme nahe legen mag.
Natürlich ist Norbert Stein nicht allein in der Welt der zeitgenössischen Musik, wenn er die „Philosophie“ der Pataphysik zur Grundlage seines Denkens und Handelns macht. Erfinder war der Dichter Alfred Jarry Ende des 19. Jahrhunderts, andere wie Man Ray oder Raymond Queneau folgten und in der Musik bekannten sich Boris Vian oder John Cage zu dieser Gedankenlehre, die das herkömmliche Denken mit der entsprechenden wissenschaftlichen Begründung in Frage stellt. Ganz ehrlich, wenn man allein die Gegenwart aufmerksam beobachtet, gibt es genügend Anlässe, um die herkömmlichen wissenschaftlichen Begründungen zu ignorieren.
Doch was hat das mit Musik von Norbert Stein zu tun? Er stellt die Titel in einen konsequenten inhaltlichen Zusammenhang, versteht den Gang durch die Klänge und ihre Buchstabenerklärung (Titel) als einen Gang durch die Existenz, die schließlich zum Thema Jazz führt, mit ihm und seinen Elementen eins ist. Er achtet darauf, dass dessen wesentlichen Elemente, die jeder Musiker und Hörer einmal gelernt hat, nicht verloren gehen: die Einheit von Melodie und Rhythmus. Die Musik ist immer in Bewegung, führt immer weiter in mitsingbaren Melodien, überlässt den einzelnen Musikern aber auch ständig, sich selbst zu entfalten, die eigenen Ideen zu entwickeln, die voller Kreativität, Virtuosität und oft großer Emotionalität sind. Ein eingespieltes Team, die vier Patas mit dem Tenorsaxophon von Norbert Stein, seit langem schon ein immer in Bewegung befindlicher Ruhepol der rheinischen/Kölner Szene, dem Flötisten Michael Heupel, ebenfalls der kreative und ruhende Pol des Rests der Bonner Szene, der Dortmunder Christoph Haberer am Schlagzeug, ruhender Pol des Ruhr-Jazz seit Jahrzehnten und das Euphonium von Nicolao Valiensi, ehemaliger Student der Kölner Musikhochschule, heute Dozent in Düsseldorf und Lucca, Gründer des außergewöhnlichen Ensembles Banda Metaphisica hier in der rheinischen Region.
Nichts ist Zufall in der Patamusik, aber es geht alles seinen Weg, den man gerne und viel Vergnügen verfolgen kann und vielleicht einmal nachdenkt, was die Ideen der Pataphysik vermitteln können. Ein genialer Gang zwischen populären Melodien, streng swingenden wie unterbrochenen Rhythmen, Elementen der Zeitgenössischen Musik und des Jazz. Immerhin ein ganz besonderer Weg, dem Hörer aktueller Musik auf den Weg zu helfen.

Hans-Jürgen von Osterhausen, Jazzpodium

Miniaturen der Improvisation


"Silent Sitting Bulls" heißt die neue CD des bei Köln ansässigen Komponisten Norbert Stein. Wie schon der eigenwillige Titel erahnen lässt, verschmilzt der bei Köln ansässigen Tenoristen und Bandleader mit seinen Mitstreitern, den Pata, Horns & Drums, die klassische Musiktradition mit neuen Strömungen des zeitgenössischen Jazz. Der von Norbert Stein geschaffene Kunstbegriff „Pata“ steht dabei für sein Konzept der inszenierten Räume. Dies umschreibt vorgezeichnete Strukturen, innerhalb derer sich die Künstler gestalterisch und improvisatorisch relativ frei bewegen können. Norbert Stein hat die Pata-Musik dadurchals eine Konstante, gewissermaßen als musikalische Marke für seine ganz eigene Musiksprache entwickelt.

Auf seinem neuen Tonträger, der inzwischen bereits zwanzigsten CD seiner Pata-Reihe, hat Norbert Stein dieses Konzept einmal mehr kammermusikalisch umgesetzt. Den Hörer erwarten 50 Minuten spannende Musik, die in ihrer direkten Wirkung nie nachlässt. Titel wie "Nondual Action", "Quantum Mechanics" oder "Schleuderhonig" stellen sich dabei im thematischen Ansatz als in sich abgeschlossene kleine Miniaturen dar, die sich alsdann zu breiten Räumen für die inspirierende kommunikative Improvisation öffnen. In der transparent-polyphonen Quartettbesetzung mit Tenorsaxofon, Flöte, Euphonium und Schlagzeug entwickeln Norbert Stein, Michael Heupel, Nicolao Valiensi und Christoph Haberer ein kreatives Wechselspiel aus Intuition und rhythmischer Intensität, das beim Zuhören zuweilen Spaß und Verblüffung hervorruft, zuweilen aber auch Nachdenklichkeit bereitet.

Wolfgang M. Seemann, Passauer Neue Presse

Made in Germany

Jede Menge Spaß kann man auch mit Norbert Stein´s "Silent Sitting Bulls" haben. Der Tenorsaxophonist lotet zusammen mit Michael Heupel (Flöten), Nicolao Valiensi (Euphonium) und Christoph Haberer (Drums) das Spannungsfeld von mikrotonaler Komposition und freier Improvisation voller Spielwitz detailreich aus, und dabei sprengen die Musiker amüsant so manche Grenze.

Sven Thielmann, hifi & records

Kurzweilig

Neues aus dem Kosmos des Norbert Stein. Seit gut 20 Jahren hat sich der Saxophonist und Komponist aus dem Rheinischen der Pata-Musik verschrieben. Er prägte den Begriff in Anlehnung an Alfred Jarry's Pataphysik, die der französische Vorsurrealist als "Wissenschaft von den imaginären Lösungen" verstanden wissen wollte. Stein´s kompositorische Lösungen sind mitnichten imaginär, zeugen aber von großer Imagination, und so nannte er seine Musik Pata Music, seine Ensembles Pata Trio oder Pata Orchester, Pata Masters oder Pata Generators.

Pata, Horns & Drums, jüngster Ableger des verzweigten Pata-Baumes, ist ein unorthodox besetztes Quartett aus drei Bläsern plus Drummer - kein Harmonieinstrument, die Rolle des Basses spielt ein Euphonium. Die Zeichen stehen auf Blasmusik, und in der Tat gibt es unverhohlene Anleihen bei Zirkus, Kirmes und Brass Bands. Der Klang von Flöte, Tenorsaxophon, Euphonium in diesem Pata-Quartett ist jedoch so heterogen, die Einzelstimmen so selbstständig, dass eher von Kammermusik für Bläser die Rede sein sollte.

Die ist nicht immer filigran, aber stets subtil gedacht und gemacht. Stein arbeitet mit eingängigen, sangbaren Themen oder Fragmenten von Thj3men, mit packenden Grooves und ansprechenden Rhythmen. Zwischen solch formgebenden Einheiaten lässt er Raum für Freiheiten uns - bisweilen auch freie - Improvisationen. So kann er "schräg" Tönendes auffangen und den Zugang erleichtern. Beim kurzweiligen Hören mag man sich freilich fragen, was es denn wohl mit dem Titel des Albums auf sich hat.

Berthold Klostermann, Fono Forum

Neue Grenzen in der Musik

Mit der neuen CD schafft Norbert Stein mit seinem Quartett Pata, Horns & Drums neue Grenzen in der Musik. Wobei die Musiktraditionen zu einem farbenprächtigen Bild der Moderne werden. Es werden Räume für die Kunst der Improvisationen geöffnet und eine Konzertreise in Länder der Erde beginnt. Wobei die Begegnungen der fremden Musikkulturen im Vordergrund stehen.

Joachim Holzt-Edelhagen, Die digitale Jazz-Zeitung

 

… schöpft wieder einmal die Improvisationsmöglichkeiten aus

Über „Die Schöne und das Biest“ hat er sich ausgelassen, den „Code Carnival“ geknackt und „Live in Australia“ musiziert – der im Kölner Umland lebende Saxophonist Norbert Stein ist ein Kulturgänger zwischen Völkern, deren Musik und Lebenshaltung. Sein neues Quartett schöpft wieder einmal die Improvisationsmöglichkeiten aus und nimmt sich die Freiheit, dem lebenslangen Kampf um Gleichheit und Brüderlichkeit neuen Atem einzuhauchen. Doch vom Einfluss fremder Musiken und Kulturen kann Norbert Stein sich nicht freimachen, er braucht sozusagen die Inspiration des Exotischen und seiner Verzweigungen, um – wie hier – dem Jazz und seinen Interpretationsmöglichkeiten auf den Zahn zu fühlen.

Klaus Hübner, Westzeit

Weitere internationale Rezensionen in Englisch

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