NORBERT STEIN PATA GENERATORS
"direct speech"


Rezensionen

CD coverAusgewogene Spannung

Ausgewogene Spannung - so würde vielleicht der Titel über die Langfassung der Kritik über die neue (Nr. 19) Aufnahme des Komponisten und Saxofonisten Norbert Stein lauten. Mit seinem Quintett Pata Generators (mit Michael Heupel/fl, Matthias Muche/tb, Sebastian Gramss/b und Christoph Haberer/dr), einer unüberhörbaren "working" band steuert er engagiert durch seine abwechslungsreichen Kompositionen und auch Kompositionsteile, denn Basis und Improvisation scheinen kaum unterscheidbar. Unisono-Linien, Soli, Riffs verschachteltes Material wächst wie folgerichtig zusammen, ähnlich aufregend wie bei den berühmten Workshop-Ensembles von Charles Mingus (wozu auch die Posaune manchen Hinweis liefert - Hey, Jimmy!). Als selten ähnlich zu erlebendes Element leuchtet die Flöte Heupels zwischen seinen beiden Front-Kollegen hervor, gibt dem Geflecht manch leichten kammermusikalischen Touch. Bandleader und Master-PATA Norbert Stein setzt seine Zeichen und gibt allen ihren solistischen Platz, ohne selbst im Kollektiv eine Extrastellung zu beanspruchen, dem PATA Ensemble wünscht man weiter noch zahlreiche Silberlinge und Konzerte.

Thomas Hein, Concerto

Pataistische Bedürfnisse

Nicht weit von Köln lebt Norbert Stein die hybride Existenz eines Jazz-Komponisten, der es sich nicht nehmen lässt, als aufführender Musiker mit dem Tenorsaxophon auf der Bühne zu stehen. Sein Markenzeichen ist Pata-Musik nach einem bei Alfred Jarry vorgefundenen Wort. Pata-Musik findet in den verschiedensten Formationen statt, großorchestral und opulent, synästhetisch experimentell oder in kleinen Gruppen. Die neue CD "Direct Speech" entspricht dem letzteren Szenario. Eine Quintett-Besetzung mit vorzüglichen Musikern, die mit Stein das pataistische Bedürfnis nach Klanglicher Klarheit und Magie teilen (Michael Heupel, Flöten, Sebastian Gramss, Kontrabass, Christoph Haberer, Schlagwerk, Matthias Muche, Posaune und Norbert Stein selbst) hat sich elf Stücke zu eigen gemacht und spielt so krass und klar, voller Rauheit, Melos und Leidenschaft, dass die Musik eine reine Freude mit vielen Eigenschaften ist: durchhörbar, geheimnisvoll, schnörkellos, kunstvoll. Und genau das hält, was der Titel der CD verspricht.

Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau

Avantgarde in bestem Wortsinn

Über das Wortpaar "Pata Music" ist in der Vergangenheit bereits viel geschrieben worden - mal ernsthaft, aber auch augenzwinkernd. Für den "Erfinder" Norbert Stein bleibt dieser Begriff inhaltlich offen, um seine vielgestaltige Musik fassen zu können. - gleichgültig, mit welcher Besetzung und in welchem Umfeld er sie aufführt. Das Quintett Pata Generators ist so etwas wie das Kammerensemble des bei Köln lebenden Saxophonisten und Komponisten. Und mit Michael Heupel (Flöten) und Matthias Muche (Posaune), mit Sebastian Gramss (Bass) und Christoph Haberer (Schlagzeug) fügt er seinem musikalischen Gebäude einen weiteren, ungewöhnlichen Baustein hinzu. Es ist Avantgarde im besten Wortsinn, die diese fünf Musiker in den elf Stücken von "Direct Speech" präsentieren: Mit Komponiertem und Improvisiertem halten sie den Augenblick fest, hymnisch und expressiv, eigenwillig und individuell, emotional und schillernd. Sie begreifen improvisierte Musik als zeitliches Kontinuum, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft präsent sind - gleichgültig, welcher Tradition oder welchem kulturellen Terroir sie sich verpflichtet fühlen. An Steins "Pata Music" scheint doch etwas dran zu sein - denn auch "Direct Speech" lässt sich eindeutig und unverkennbar seinem ureigenen kreativen Kosmos zuordnen.

Martin Laurentius, Jazzthing

Mit Druck

Unter den diversen "Pata"-Ensembles des Komponisten Norbert Stein ist dieses eines der kleineren: drei Bläser plus Rhythmus. Dafür geben die handverlesen besetzten Generators ganz schön Druck. Wie vom Schlagzeug gescheucht drängen die Bläser vorwärts, oft unisono, in holzschnittartigen Themen, um sich dann in die Einzelstimmen und teils freie Improvisationen auszudividieren. Hinter anspielungsreichen Titeln ("Die Zen Gebote") steckt kraftvolle, expressive, europäisch verwurzelte Musik. Die klingt nicht gerade zart besaitet, ist aber umso differenzierter gemacht und voller Witz.

Berthold Klostermann, Fono Forum

Mannigfaltigkeit und klanglicher Reichtum

Seit jeher pflegt der überragende Kölner Saxophonist Norbert Stein ein Faible für bildmächtige Titel, mit denen er seine komplexen Kompositionen um eine weitere Ebene anreichert. Damit schränkt er Mannigfaltigkeit und klanglichen Reichtum seiner durch Stile, Formen und Mittel mäandernden Musik, was durch den Begriff der "Pata-Musik" definiert ist, keineswegs ein. Ob er damit, wie beim neuesten Werk mit seinen "Pata Generators" mit "Die Tochter des Papstes", "Alice in der parallelen Welt" oder den "(...) Zen Geboten", einen zusätzlichen Zugang ermöglicht, aufs Glatteis führt oder geneigte Hörerinnen und Hörer ermuntert, ein Stück beim Zuhören zusätzlich auf musikalische Konnotationen zur Wortaussage abzuklopfen, bleibt dahingestellt. Eines erreicht er sicher, dass man beim Lesen stolpert und anfängt zu hinterfragen. Ganz so klar und direkt wie der Titel des neuen Albums suggeriert, sehen demnach die "Les Yeux de l´Oiseau de l´Oiseau" (Die Augen des Kriegsvogels) keineswegs. Vielmehr fühlt man sich bei Steins verschlungenen und verflochtenen Kompositionen, kraftvoll und spannend gestaltet von einem großartigen Ensemble, an "Chameleon(s) Nature" erinnert, das mit jeder Stimmung die Farbe wechselt, im Hintergrund aufgeht und sich ganz einfach ständig im Fluss (der Umgestaltungen und Vielheiten) befindet.

Michael Scheiner, Jazzzeitung

Pata-Musik macht's möglich

Er sitzt zwischen allen Stühlen. Er macht Free, aber das (gewünschte) Chaos bleibt aus, er hat den Minimalismus "intus", aber auf opulente Bläsersätze will er nicht verzichten, er swingt, die Brüche sind aber schon eingeplant, er steckt tief in der europäischen Musiktradition, die jedoch jederzeit durch schwarzen Bebop aufgemischt wird, und er gibt den weißen impressionistisch-folkig-atonalen Mingus. Norbert Stein macht halt Pata-Musik. Hier widerspricht sich nichts, Grenzen sind aufgehoben. Und auf der neuesten Scheibe hat er wieder exquisite Mitstreiter an Bord, die dem Kapitän auf seinem kompositorischen Kurs folgen. Interpretatorisch stellen Flötist Michael Heupel, Posaunist Matthias Muche, Kontrabassist Sebastian Gramss sowie Schlagwerker Christoph Haberer ihre große Erfahrung und Klasse in den Dienst des Stein´schen Repertoires. Das Art Kammerensemble des Saxophonisten ist lustvoll, mal in ernstem, mal in weniger ernstem Auftrag auf dem Kreativ-Dampfer unterwegs. Die "inszenierten Räume" sind zwar vom Überpata vorgegeben. Die Instrumentalisten bewegen sich dort aber solistisch frei, Spontaneität ist erwünscht und höchste Interaktivität stellt sich wie von selbst ein. Die elf Namenstitel sind so bunt und schrill wie die Töne: vom zirkusfreakigen Marsch "No bird beyond the cage" über das zappelige, kinderliedhaft anstimmende "Les yeux de l´oiseau de la guerre" bis zum rasanten Ausflug mit "Alice in der parallelen Welt". Nur ja kein Stillstand...: Alles fließt, wandelt sich: "Chameleon Nature". Die "Zen Gebote" spuken auch in den Köpfen. Imagination ist angesagt. Und sich so deutlich wie direkt (musikalisch) auszudrücken: Pata-Musik macht's möglich.

Michael Schaust, Jazzpodium

Ohne Umwege...

Wie ist die Situation des Komponisten nach John Cage? Das ist nicht nur eine hypothetische Frage, die Norbert Stein im Booklet seiner aktuellen CD Direct Speech stellt. Tatsächlichverändert sich mit und durch Cage die Sachlage im musikalischen Sektor radikal. Denn was alles in Kompositionen möglich wurde, ist im Grunde bis heute nicht abgeschlossen. Auch Norbert Stein betätigt sich weiterhin als Sucher zwischen Tönen, Geräuschen und Klang.

Ohne Umwege steuert Norbert Stein auf den Kern dieses atonalen Klangspektrums zu, die direkte Ansprache stellt für den offenen Hörer eine Menge individueller Passagen bereit. Dazu braucht es keine Erfahrungen oder doppelbödige Erklärungsmuster, Voraussetzung ist nur das barrierefreie Hören. Schön herausgearbeitet haben die Pata Generators diese Wechselwirkungen bereits im ersten Titel "Chameleon Nature": der unaufhaltsame Fluss, das Vorwärtsschreiten, die Veränderungen einer Musik zwischen strenger Jazztradition und zeitgenössischer Improvisation. "Alice in der parallelen Welt" lockt den Hörer wie in der Geschichte von Lewis Carroll in den unterirdischen Kaninchenbau, wo das weiße Kaninchen zu Hause ist und sich ein Säugling in ein Schwein verwandelt. Norbert Stein stellt seine musikalische Interpretation aber viel näher zu Wim Wenders, der mit "Alice in den Städten" eine Geschichte der Einsamkeit und des Verlorenseins erzählt. So beschwingt Norbert Stein das musikalische Gerüst aufgebaut hat - quantenphysikalisch betrachtet springt die Musik zwischen den kleinsten Teilchen der Gemeinsamkeiten hin und her. Gleichfalls mystisch angestrahlt fühlt man sich bei "Die Zen Gebote", einem schnellen Wechselspiel zwischen Erkenntnis und Unwissenheit. Ganz ohne Blasphemie kommt er bei "Die Tochter des Papstes" aus. Ganz auf der Linie von Alfred Jarry knackt Norbert Stein die Hülle aus religiösem Ernst und heiterer Nonsensestruktur.

Ein Ruck durch Steins Musikkosmos ist gar nicht erforderlich. Seine Musiksprache hält allen voreiligen Kategoriesierungsversuchen Stand. Auch die physikalischen Grundsätze der Musik, die Schwingungen, die Höhe und Tiefen, bedürfen keiner näheren Erklärung. Was sich hinter der Physik aufreiht, ist mit der Metaphysik umfassend beschrieben. Es kann nur noch eine Alternative geben: auf wissenschaftlicher Basis imaginäre Lösungen, das heißt pataphysische, finden, wie es Alfred Jarry durch die Figur des Dr. Faustroll versuchte. Womit wir wieder bei Norbert Stein angekommen sind. Da nichts bleibt, wie es war, und nichts wird, wie es ist, schafft Stein eine Musik der Veränderung, die dem Wesen nach bei John Cage ("Music of Changes") andockt, aber dessen Gedankenfreiheitsbewegung weniger konsequent umsetzt. Künstlerisch-musikalisch jedoch muss Stein sich hinter Cages Erkenntnissen nicht verstecken.

Klaus Hübner, Jazzthetik

Geistige Kraft paart sich ... mit drängender Intensität

Der Kölner Saxophonist Norbert Stein hat rund um den „Pata“-Begriff (der von der Pataphysik Alfred Jarrys abgeleitet wird und nicht etwa von Miriam Makebas Mega-Hit „Pata Pata“) ein ganzes Imperium von Bands errichtet. Die Pata Generators sind ein Quintett, dem Matthias Muche (trb), Sebastian Gramss (b), beide bekannt aus dem Trio Das Mollsche Gesetz, Christoph Haberer (dr) und Michael Heupel (fl) angehören. Zusammen produziert die Fünferbande einen äußerst anstrengenden Intellektuellen-Jazz, der so schöne Titel wie „Alice in der parallelen Welt“ („Alice im Wunderland“ - genau!) oder „Die Zen Gebote“ hervorbringt. Geistige Kraft paart sich in Steins Musik mit drängender Intensität. Wer mehr davon braucht: es gibt außerdem noch die Pata Masters, das Pata Orchestra, Pata Java, Pata Maroc und Pata Bahia. Besuchen Sie einfach Steins höchst informative Website patamusic.de - ein äußerst verschroben-eigenwilliges Universum, in dem man viele Entdeckungen machen kann. Pata Pata.

Thomas Rolf, Jazzzeit.at

Pata Generators … zelebrieren die freie Musik

Zelebrieren wir die freie Musik, lassen wir äusserlich Normen hinter uns und bewegen wir uns schwebend im Raum! So oder ähnlich hätte der Schlachtruf der Pata Generators unter der Leitung von Komponist und Saxophonist Norbert Stein heißen können, als sie sich daran machten ihre neue CD „direct speech“ aufzunehmen. Auf dem Mutterboden des Free Jazz werden hier wunderliche, farbenprächtige Pflanzen gezüchtet, sie ranken mit unbestechlicher Intensität direkt ins Ohr des Hörers und spielen dort verrückt. Klangbilder voller lustvoller Ausdrucksstärke werden gezeichnet, um im nächsten Moment in einem expressiven Anfall das eben Gemalte wieder völlig umzugestalten. Dunkle Bassläufe reihen sich an märchenhafte Bläsersätze, starke Solis fordern geradezu das Ausbrechen energetischer Schlagzeugrhythmen. Dieses Werk ist unbedingt zu empfehlen, da es entgegen allem Mainstream der musikalischen Freiheit huldigt und dem Musikliebhaber alle Zeit gibt, um den Geist der Musik zu verstehen, da diese CD immer besser wird und man bei jedem Hören eine neue Erkenntnis gewinnt ...

Fritz Tudyka, Blicklicht

Quicklebendig

Norbert Stein zählt zu den Gründern des Kölner Jazzhauses. Auch heute noch steht sein "Pata Music" genanntes Konzept für ein ernsthaftes Vergnügen und Freiheit verbindendes Konzept. Auf "Direct Speech" springt sein Quintett mit vielen Rhythmus-, Klangfarben- und Themenwechseln free und perfekt arrangiert los: ein Hörvergnügen für alle, die eher akustische Parforce-Ritte als Fahrstuhlmusik mögen.

Werner Stiefele, Audio

Jazz vom Feinsten

Dierses Quintett um den Tenorsaxofonisten Norbert Stein nimmt auch musikalisch kein Blatt vor den Mund. Entsprechend dem Titel der CD sind die Kompositionen von Stein schonungslos direkt. Sie erzählen vom alltäglichen Leben ("Daily Life"), sprechen aber auch ernste Themen ("Borderline") an. Was den fünf Musikern dabei allerdings nie fehlt, ist der Spaß an der Musik. Mit Flöte, Tenorsaxofon, Posaune, Kontrabass und Schlagzeug eine gelungene Besetzung, um viele spannende Geschichten zu erzählen.
Jazz vom Feinsten in elf spannenden Titeln - das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.

dam, clarino.print

Aus dem Vollen

Auf seiner neuesten Veröffentlichung schöpft Norbert Stein erneut aus dem Vollen. Das Ensemble überrascht an jeder Ecke mit seiner farbigen Palette von Ausdrucksmöglichkeiten. Es scheint gar, dass hier einige Fäden aus vergangenen Projekten der Pata Generators verknüpft worden sind. Vom coolen, großformatigen Radiosound finden die Generatoren ohne Umschweife zu lyrischen Exotizismen. Rasch wechseln sich eingängige Passagen mit Zitaten aus allen möglichen Regionen, Stilen, Epochen und Genres ab. Vielfalt allein ist allerdings noch kein Wert und dessen ist sich Stein sehr wohl bewusst. Ganz gezielt erörtert er nicht alle Fragen, die sich in seinem Sammelsurium der Ideen stellen. Vielmehr wird die Verwirrung des Hörers mit einberechnet. Zuweilen scheint die Zerstreuung geradezu mit grosser Anstrengung herbeigeführt zu sein, wirkt passagenweise angestrengt humoristisch. Es ist dies eine Platte, die einen auch beim wiederholten Hören unentschieden lässt.

ct, Jazz'n'More

Ereignisströme

Das vom Tenorsaxofonisten Norbert Stein entwickelte Konzept der Pata-Musik weist zwar Bezüge zur Pataphysik des Schriftstellers Alfred Jarry auf. Genau wie Jarry eher konzipiert, was Pata-Physik sein könnte und nicht unbedingt ist, so stattet Norbert Stein seine Pata-Musik mit eigenen Spielregeln aus. Dabei wird Spielen durchaus auch als kindliches Spiel begriffen. Das wird besonders bei bei der neuen Produktion "Direct Speech" deutlich. Norbert Stein setzt sein außergewöhnliches Charisma erneut als improvisierenden Impulsgeber ein. Diese Impulse sind aber nur der Ausgangspunkt für eine große solistische Freiheit der musikalischen Mitstreiter in der komponierten Struktur. Die einzelnen Stücke fließen auf ganz besondere Weise, oft in einer erzählenden Melodik. Es sind Ereignisströme. In diesem Fluss, da plätschern Unisono-Passagen, brechen sich die Tempi an Hindernissen. Und an beiden Ufern dieses Stromes lässt Norbert Stein die Instrumente rhythmischen Kinderspott nachäffen, ganz im Stil von "nänänänänänä." Und da ist es wieder, das Kinderspiel. Wie schon so oft, liefert Norbert Stein und sein Pata-Konzept eine faszinierende, anmutig leichte Choreographie von Tönen ab.

Franz X.A. Zipperer, Sonic

Eine Jazzpassion

Steins OuMuPo, seiner Werkstatt für Potentielle Musik, entsprang eine Musik, die sich weigert, zwischen Ernst und Unernst zu unterscheiden. Das ist pataphysisch auch nicht anders denkbar. Sebastian Gramss (Unterkarl, Das Mollsche Gesetz) am Kontrabass & Christoph Haberer an den Drums verbünden sich mit dem weit aufgeklappten Bläserfächer von Michael Heupel an derr Ubu-Flöte, dem Schäl Sick-Brasser, Nanoschläfer, James Choicer, Sator Rotas-Töner und ebenfalls Mollschen Gesetzesbrecher Matthias Muche an der Posaune und Oberpata Stein selbst an seinem Tenorsaxophon. Zu was? Zu einem Tanz auf den Nasen von Charly Parker & John Cage (No Bird beyond the Cage) und auf der Borderline zum Wunderland. Bei Komposition und Improvisation stehen die Käfigtüren offen, als Michael Chabons The Escapist daran vorbei geschlendert wäre. Die Tochter des Papstes trifft auf Alice in der parallelen Welt. Das Totemtier dieser Musik ist das Chamäleon (Chameleon Nature). Die Zen Gebote werden durch ein 11. ergänzt: Get it! Was denn? Anton Voyls verschwundenes E? Mit Leiposonie hat Direct Speech nichts am Hut. Schwungvoll Mingusieskes inklusive Tijuana-Stimmung bei ...Zen... und Daily Life und überhaupt eine Jazzpassion, wie sie auch schon Boris Vian erfasst hatte, kreiseln auf spiraligem Kurs durch Köpfe, die mit imaginären Lösungen ruhig verschwenderisch umgehen können, weil sie davon einen unerschöpflichen Vorrat zu haben scheinen.

Rigobert Dittmann, Bad Alchemy

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